Meine Philosophie


Ästhetik ist mir eine wichtige Angelegenheit. Ob im Bild oder in der Schrift oder in der geometrischen Deutung der Mathematik mein Interesse liegt außerordentlich oft bei ihr.

Bevor ich meine philosophischen und ästhetischen Überlegungen ausspreche, muß ich eine kurze kritische Beschreibung der herrschenden Ästhetik, das ist der herrschenden Wahrnehmung in der postmodernen Welt hersetzen.

Die innere Wahrnehmung der Menschen ist heute um die Jahrtausendewende so verrückt von ihrem Ursprung und ihrer natürlichen Schönheit, wie nie zuvor. Das innere Erleben beinahe aller Menschen wird von einer Verrohung der Wahrnehmung und Sprache verzerrrt, wodurch denselben eine Verarmung oder ein Chaos des Inneren entsteht. Was wir nämlich verloren haben, ist eine Umgangsform, die nicht überhastet und schal, sondern die gewißenhaft und bedeutend ist. Es fehlt uns an der poetischen Tiefe, an der stillen einkehrenden Beschauung und an der Authentizität der Sitten. Wir betragen uns ähnlich verzogenen Kleinkindern. Ich nenne diese Tendenz: Postmoderne Lächerlichkeit. Dieselbe verlacht sowohl allen inneren als auch allen äußeren Wert, d.h. sie macht alles Ding der Welt und auch das eigene Innere nichtig.

Ich will nun offenlegen, was eigentlich die einfache Lösung des Problemes unserer Ästhetik sei; damit sei nicht gesagt, daß diese Lösung leicht zu erreichen sei, denn das Einfache ist meist schwerer zu erreichen als die kompliziertesten Ausflüchte vor demselben. (Man kann dies besonders in der postmodernen Physik ersehen, wenn man sich die schwierigen und komplizierten Formelkonstrukte vergegenwärtigt, die als Ausflucht hingenommen werden, solange bis man nicht die einfache Weltformel entdeckt.)

Das Problem ist also die ästhetische Verwirrtheit des postmodernen Menschen, vor allem der Zug seiner postmodernen Lächerlichkeit, denn aus demselben entstehen ihm eine Unzahl von Leiden. Was nun aber ist Lächerlichkeit? Lächerlichkeit ist die Vernunft, die sich selbst mißverstehend, vor einer Naturwirklichkeit eine Ausflucht in sich selbst sucht. Das soll heißen: Etwas ist dann lächerlich, wenn die Vernunft in ihrer Verstiegenheit oder Beschränktheit, den Verstand und die Natur verkennend, sich als einzige Instanz setzt und in ihrem eigenen Denkprozeß sich verwickelt und die Welt nicht mehr in der Fülle und Richtigkeit erfasst.

Beim Witz passiert dasselbe, nur, daß der große Unterschied dabei ist, daß die Vernunft beim witzigen Verhalten sich ihres Fehlschlusses oder ihrer Verstiegenheit oder Beschränktheit bewußt wird. Die Lächerlichkeit aber ist weites Entferntsein von einem heilsamen Zustand, das sich selbst nicht bewußt ist, das es so weit entfernt davon ist; vielmehr sogar den heilsamen entfernten Zustand fälschlich als krankhaft einstuft, während es der ihr eigene ist. In diesen Zustand sind wir vor allem gelangt, weil wir zuviel an den Vernunftsbegriffen als absoluten hangen, während wir dieselben weniger als je zuvor zergliedern. Unsere Welt ist aufgrund der unscharfen Zergliederung im alltäglichen Sprachgebrauch gepaart mit einem logisch ungraduierten Anspruch auf Wahrheit oder Falschheit sehr arm an Inhalt geworden. Es ist im Grunde ein ähnliches Problem als vor der Aufklärung, bloß daß die Selbstüberschätzung durch eine falsche Berufung auf die Wissenschaft (denn ein solch unsauberes Verhalten darf sich niemals auf die Wissenschaft berufen) um einiges unheilsambringender ist, als die notwendigkeitsverschuldete Unwissenheit der Bauern es gewesen ist.

Die Heilung vor dem weiteren Fortschreiten und Anwachsen dieser Tendenz wäre, daß wir nicht mehr soviele der leeren Worte reden, und stattdessen genauer hinsehen und urteilen lernen. Dazu müssen wir eine gelebte Vernunft wiederentdecken, d.h. wir müssten in diesem neuen Betrachten und Erkennen eine Kultur heranzüchten, die nicht bloß leer redet und ungenau beschaut, sondern nur dann redet, wenn es nötig und dann mit großer Sorgfalt, und wenn es nicht nötig, genau beschauend sich verhält. Um es nocheinmal einfach zu sagen: Wir müssen dem Verstand die Zeit zu urteilen, der Tat, die Zeit zu tun, und der Erfahrung, die Zeit zur sorgfältigen Aufnahme gewähren. Und vor allem dem Begriff, die Geduld zur ordentlichen Bildung geben. Wir dürfen nicht weiter mit leeren Worten unsere Unfähigkeit zu sehen und zu hören verschleiern. In Stille zu betrachten und dann gewählt sich mitzuteilen, das tut Not.

Ästhetik von Morgen

(einige Aphorismen aus meinen Selbstgesprächen)

23.Oktober 2022

Es muß eine Ästhetik der neuen Welt geschrieben werden. Es muß eine Philosophie geschrieben werden, die ein für alle Mal diesem absurden Gebilde, das jetzt entsteht, den richtigen Lauf gibt, d. i. das rasant wachsende technische naturwissenschaftliche Weltbild. Es muß, wenn auch mir es an Kraft ermangelt dieses Werk zu schreiben, es irgendjemand schreiben! Ich sehe die Umrisse eines solchen Werkes in meinem Kopfe und will daher anhand einiger, auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz zusammenhängend erscheinender, Aphorismen, einen Hinweis darauf geben.

Die Technik ist nicht zu verdammen. Genauso ist der Naturzustand nicht zu verdammen; aber ich sehe eine Synthesis aus beiden.

Wir müßten von der niederen Wollust, die momentan das Meer ist, wohin der große Fluß unseres Geldes fließt, also das sind all die Videospiele, all die Konsumprodukte, all die seichten Filme, all die Fernsehserien und wie die verderblichen anderen Dinge alle heißen, uns darauf besinnen die Dinge schön zu machen. Das mag zwar Geld kosten, aber diese Dinge hätten dann den Wert der Schönheit.

Ich sehe einen Menschen von morgen, der nicht in solch häßlicher Kleidung sich verhüllt. Ich sehe einen Menschen, der wie die alten Griechen einherschreitet, der sich seines Körpers bewußt ist, der sein eigenes Wesen und seine eigenen Körper kennt, der die physiologischen und psychologischen Prozesse in seinem Körper kennt, sowie spürt, und daher weiß, was gut und was schlecht dem Körper, der Umwelt und dem Ganzen ist; der seinen Körper in Würde und in natürlichem Stolz unter der gepflegten weißen Tunica spazierenführt. Ich sehe eine solche Zukunft, eine solche Ästhetik, ein solches Anschauen, Wahrnehmen der Welt und des Menschens. Ich sehe, daß Dinge und Institutionen eingeführt werden, die nicht faule und überbequemliche Leute unterstützen, sondern Tugendhafte.

Ich glaube weiters, daß ein einziger Gedanke hinreichte die ganze Moral zu berichtigen, indem man erkennte, daß alles eins ist, daß in uns allen derselbe Wille waltet, und daß das Erkennen das höchste ist, und mit unserem Wollen in Einklang zu bringen ist. Dies wünschte ich mir für die Zukunft! 

Ein analoger Gedanke könnte in der Wissenschaft sofort, wenn man sich besänne, daß es ein Ding an sich gibt, d. i. eine moralische Qualität im Menschen gibt, zu einer religiösen Umkehrung der ganzen empirischen kapitalistischen Wissenschaft führen; es könnte sofort nur noch der Wahrheit und der Schönheit gedient werden, so wie es der Wissenschaft würdig ist. Nicht länger, immer weiter und weiter, mehr und mehr Dinge zu produzieren, die die Menschen belustigen und in seichten Sinnen gefangen halten, damit die Menschen ablenken von den wichtigen Problemen, nein! Dinge zu schaffen die Menschen entzücken und verwundern, vor denen sie staunend stehen. Wenn das genug geschähe, dann würden die Menschen auch ein Gefühl für Schönheit und Würde wiederentwickeln.

Aber es sind große Verhinderungsmechanismen diesem Fortschritt entgegengestellt. Der größte Feind der Ästhetik von morgen ist die postmoderne Lächerlichkeit, d. h. alles Ernste und Schöne zu verlachen, diese Grundgewohnheit, die wir dem Menschen angezüchtet haben, aus einem Gefühl der eigenen Unsicherheit und Erbärmlichkeit heraus, das ist die momentan größte Triebfeder der westlichen Welt, die postmoderne Lächerlichkeit.

Die zweite große Triebfeder ist die Einfachheit des kapitalistischen zählenden Systems, d. h.  ein Wert einer Ware in Zahlen bestimmt, ist ganz klar. Es ist nicht viel dabei zu denken, während das, welches ich vorschlage, ein großer Denkaufwand wäre.

Aber ich weiß, daß es eine Ästhetik von morgen geben kann! Ich habe Hoffnung für diese Welt.  Daß Menschen, die gesund sind und in ihrer vollen Pracht, Blüthe und Schönheit stehen, bewundert werden, gleichzeitig aber auch, daß einem Menschen, dem ein schicksalhafter Unfall passiert, dem ein Bein oder ein Arm verlorengegangen, ein technisches Bein oder ein technischer Arm gemacht werden kann. Dies beiden Welten zu verbinden! Diese Bewunderung und Wertschätzung der natürlichen Schönheit und die Benutzung der technischen künstlichen Möglichkeit! Das Bild von griechischen schönen Menschennaturen mit technisch höchstem Fortschritt verbunden in gesunder harmonischer Natur. Die Hoffnung auf eine gute Zukunft lebt in mir!

Die Natur ist Herr des Stoffes, wir sind bloß Herr über die Form.

Wir haben nicht dieselbe Allmacht über den Stoff, d. i. die Materie, wie sie die Grundkraft besitzt. Wir vermögen nicht die chemischen Stoffe harmonisch ineinander umzuwandeln, sowie es der Körper tut. Das Innere, das Ding an sich, der Wille, die Lebenskraft haben wir nicht unter unserer vernünftigen Obhut. Sie liegt zu tief im Kern der Natur und ist, wenn in anderen Worten sprechen will: Gottes Schaffenskraft. Wir haben nur Einsicht in die Anordnung und die Fähigkeit der Umordnung, was keine kleine Sache ist. Umso mehr wir den menschlichen Organismus in seine Einzelnheiten auseinandernehemen und studieren, desto mehr wird uns klar werden, daß wir zwar die Anordnung der Desoxyribonukleinsäure kennen, aber dieselbe aus chemischen Stoffen nicht nachbauen können. Ich rede hier nicht vom Austausch eines oder zweier Leiterelemente dieser komplexen verknäulten Spirale, ich rede von Bau einer ganzen Leiter vom Grunde auf.

Und wenn es uns endlich doch gelänge dieselbe nachzubilden, dann müßten wir ans nächste gehen, namentlich wie sie gelesen wird, wir müßten das lesende Element nachbilden, nächstens dann die ganze Zelle nachbilden, und so weiter, bis hinauf zum kompletten Organismus; es ist zu vieles, es wird zu komplex. Wir werden aber sehen, wir werden nicht nur an der Komplexität scheitern, denn: was hält als diese Einzeldinge zusammen und strebt sich selbst zu erhalten, ein bloßer Komplex aus Bindungen? Niemals! Damit will ich sagen: wir sollten lernen zu erkennen, zu was wir fähig, und zu was wir nicht fähig sind.

Blinder Fortschritt, ohne moralischen Leitstern ist gefährlich.

Die Selbstbesehung, die sollte dem Menschen so schnell als möglich kommen, denn mit jedem Jahr wird dem Menschen an sich eine Furche mehr in den gesunden Körper geschlagen, ein Gift mehr in den Körper geträufelt, eine Fettschwarte mehr an den Körper gelegt, durch Zerstörung des Planeten, durch die übertriebene Wollust in der Gesellschaft, durch die chemische Verseuchung der Natur, durch all die technischen Mitteln, durch das Verlachen der Schönheitet cetera.

Denn, wenn nicht bald eine solche Selbstbesehung eintritt, werden wir gleich dem Dorian Gray immer weiter moralische und ästhetische Falschheiten begehen und damit das Bild der Welt, welches wir hinter unseren naturwissenschaftlichen Scheuklappen vergessen im Dachboden irgendwo versteckt halten, immer weiter entstellen mit grauenhaften Farbstrichen, d. h. immer weiter unser eigenen moralisch ästhetischen Verfall fortführen, ohne es gewahr zu werden, weil ja doch das Bild der Welt unsere Taten für uns abbüßt. Gnade uns dann aber Gott, daß, wenn wir schlußendlich unsere Scheuklappen ablegen und in den halbvergessenen Dachboden treten, uns nicht ein Grauen vor unserer eigenen Schlechtigkeit befällt, sodaß wir im Wahn das Bild zerreißen und damit uns selbst töten!

Laßt uns doch besser die Technologie zu einem frischen Firniß für das schöne natürliche und klassische Bild der Welt machen!


Diese 4 Grundpfeiler konstituieren meine Ästhetik, d.i. mein Weltbild:

Erstens, die mannigfaltig komplexe Form der Anschauung in den Gemälden, d.i. die Welt der Bilder und Farben,

zweitens, die verständigen Begriffe gefüllt mit mannigfaltigem Gehalt in der Poesie, d.i. die wohlklingenden gewichtigen Worte,

drittens, die logischverknüpften vernünftigen Begrifflichkeiten in der Philosophie, d.i. die einheitliche abstrakte Beschreibung der gesamten Weltbegebenheiten und

viertens endlich, die mathematische edle Einfachheit der reinen Anschauung apriori in der Mathematik und theoretischen Physik.