Geschriebenes



Ferdinand
oder Moralischer Sturz der Welt

Man muß meinen Ferdinand lesen, wie ein Wanderer einen Naturpfad genießt: Man muß für die kleinen Blätter und Blumen am Wegesrande stehenbleiben, nicht zum Ende hineilen wollen; denn sonst eilt man an der Schönheit und dem Schwelgen in derselben vorüber.

Leseprobe
Buch kaufen

Selbstgespräche eines Menschen zur Jahrtausendwende

Da ich fand in meinem Leben, daß ich viel dachte, aber mir davon wenig blieb, d. h. ich sehr bald die Entzückung vergaß oder der Gedanke sich im Rückblick schon bald nicht mehr so reich und klar darstellte, so beschloß ich mir meine Gedanken und aufsteigenden Vorstellungen, sooft ich in einem inspirierten Moment mich entzückt von der Bewegung meines Geistes befand, wobei mir meine Gedanken wertvoll erschienen, zu bewahren, indem ich sie als Tonaufnahmen auf mein Smartphone niedersprach. Dieses Buch ist nun die Niederschrift dieser sehr mannigfaltigen Gedankenaufzeichnungen.

Leseprobe

….Veröffentlichung in Bälde…


Die Welt als Bild und Mathematik

Kurze Abhandlung zur Mathematik und Ästhetik in 18 Paragraphen

Lesen

Junger Bildhauer vor dem David

Poetische Beschreibung des Davids von Michaelangelo

Lesen

Einige Aphorismen

aus den Selbstgespräche

Bewunderung der mathematischen Vernunftgabe

Das Faszinierendste, wenn man Mensch ist, ist, daß man erkennen kann, wie nach einem göttlichen Bauplan alles in der Natur so mannigfaltig farbenprächtig, strukturell unendlich und unfaßbar sich bildet und wir Einblick haben in dieses Bildungsprinzip, daß wir mit Vernunft ausgestattet worden sind, um dies zu erkennen, um diese Schönheit, diese Strukturen, diese Gesetze zu fassen.

Der erkennde Satyr

Wer sagt denn eigentlich das Erkennen und Wollen Gegensätze bleiben müssen! Ich sage, man würde dem Menschengeblüth die höchste Güthe erweisen sowie die höchste Erquickung und die höchste Förderung erweisen, wenn man intellektuell erkennenden Menschen ein schönes und lustreiches Satyrleben zukommen lassen könnte, d.h. wenn sie denn scharf und schön denken, auch scharf und schön wollen dürften, d.h. das materialistische ihnen gegeben sein sollte. Denn was ist ein gesunder schöner Mensch anderes als voller Wille, der an seiner eigentümlichen Idee geleitet zur schönen Objektivitation (Erscheinung) gekommen ist. Zwar was wäre diese Schönheit ohne die Krone: den schönen Geist? Aber  würde dem Erkennenden nicht die materielle Basis ermangeln, fehlte es ihm am schönen gesunden Körper und dem fördernden Umfeld? Erkennen und Wollen sind nicht zwei absolut getrennte Dinge, vielmehr sind sie immerzu verwickelt in einem Menschen vorhanden: dieses ist ursprünglich und treibend, jenes ist leitend und endabsehend; beides in Harmonie zu bringen, das wäre die größte Wohltat an die Menschheit der Zukunft, daß man zukünftig sagen könnte: lustreicher Satyr und edler Erkennender zu ein und demselben Menschen. Damit wäre ein goldenes Zeitalter erreicht; mein Wort für ein Individuum dieser Epoche war nun eben erkennender Satyr.

Warmer Wind von drüben

Wer bist du warmer Wind von drüben? Wer bist du, bei Erfühlen dessen mir die Träne gleichsam ein Lachen ins Gesicht tritt? Wer bist du, der kommt nach langer Verzweiflung, die bishin zur unumschränkten Resignation an mir gezehrt hat? Wer bist du, warmer Wind von drüben? Wer bist du, warmer Wind aus dem Jenseits, der mir das Lachen auf das Gesicht setzt, obwohl die Verzweiflung in meinem Herzen war?

 Allumfassende Wahrscheinlichkeitsrechnung als Schicksal

Eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, für welche alle Ausgangsvariablen richtig aufgefunden und diese in abertausenden abermillionenästigen Bäumen verknüpft, wäre das Schicksal.

Zirpengesang

Hier stehe ich im italienischen Zirpengesang vor einer praxiteleschen Faunenstatue. Wie lieblich mild ist dieser Abend in italienischer Wärme, im immerzu schrillenden Zirpengesang stehend mir. Goethe hat ganz recht, wenn er sagt: „Man fühlt sich hier einmal wirklich recht zuhause in der Welt und nicht bloß geborgt oder wie auf Reisen.“ Wenn man doch nur immer… wenn ich doch nur immer so leben könnte: in dieser abendlichen sanften Stimmung, heiteren leichten Standes wie dieser Faun des Praxiteles, der auf dem einen Fuße fest auf der warmen Erde stehet und den anderen daneben leichten Zehens den Boden berührend beinahe in tändelnder Schwebe hält, der sich in lieblicher Biegung auf einen Baumstumpf stützet, während er seine Flöte zur Seite gelegt hat und ruhig heiter vor sich hinblicket.